Resonanz auf den Jour Fitz Kiel
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Handgemenge zum Bundesligastart
Die Fußball-Bundesliga startet in ihre 16.545.443. Saison. Und der Jour Fitz hängt sich ganz plump dran:
Am 20.8. ab 19 Uhr, kurz bevor sich im Eröffnungsspiel Bayern München und Wolfsburg gegenüber stehen, lesen 5 selbsternannte Fußball-Experten ihre Geschichten zum Thema und beeindrucken zwischendurch in Sach-Diskussionen und wilden Handgemengen mit dem Publikum:
@Katjaberlin beharrt darauf, dass Hertha BSC ein ganz toller Fußballclub ist, der seinen Fans viel Freude bereitet.
Matthias Sachau, auf Twitter als @matthiassachau unterwegs (keine Ahnung wie er auf den bescheuerten Nichname kam), hat gerade das leider erfolgreiche „Wir tun es für Geld“ veröffentlicht und teilt mit Udo Lattek nicht nur das doppelte t.
Frédéric Valin, auf Twitter der @freval, schreibt für Spreeblick und erzählt ständig, er habe schon einen Bundesliga-Spieler vom Range Heiko Butschers getunnelt.
Tobias Schramm (@schlenzalot), der noch überhaupt nicht weiß, was er da eigentlich soll und sich so gut es eben geht mit dem HSV freut.
Jan-Uwe Fitz (@vergraemer). Nur so halt. Ist neidisch auf den Erfolg von Matthias Sachau, aber froh, dass er nicht @Schlenzalot ist.
Die Lesung im 4010 in der Alte Schönhauser Straße 32 in Berlin Mitte endet pünktlich um 20.30 Uhr, weil dann das Spiel Bayern gegen Wolfsburg live auf Großbild übertragen wird.
Eintritt und Getränke sind frei. Die Facebook-Gruppe gibt‘s hier.
Die nächsten Jour Fitz’
Kiel, 13.8.2010, 19 Uhr. Es lesen @judetta, @annagrassi, @propinja, Matthias Winks (@mcwinkel) und Jan-Uwe Fitz (@vergraemer). Eine Veranstaltung im Rahmen des Kieler BarCamps. Camp 24/7, auf der Wiese an der Kiellinie, Höhe Reventloubrücke. Mehr Infos auf Facebook.
Berlin, 20.8.2010, 19 Uhr. Zum Saisonstart der Fußball-Bundesliga. Im 4010, Alte Schönhauser Straße 31, 10119 Berlin. Erst Lesung mit Frédéric Valin (@freval), Matthias Sachau (@matthiassachau), Tobias Schramm (@schlenzalot) und Jan-Uwe Fitz (@vergraemer), dann Live-Übertragung des Eröffnungsspiels Bayern München gegen VFL Wolfsburg. Eintritt frei, Getränke frei. Mehr Infos auf Facebook.
Und am 28.8. dann die Premiere der St. Obervergrämer Show im Oberholz Berlin. Auf der Bühne: Falko Hennig (@radiohochsee), Erasmus von Meppen, Tobias Schramm (@schlenzalot) und Jan-Uwe Fitz (@vergraemer). Und wahrscheinlich auch GQ-Kolumnistin und Bestseller-Autorin Paula Lambert. Mehr Infos auf Facebook.
Tote Tauben zucken noch
Themensommerloch “Tauben”: Heute beschreibt @wurstegal (einst hieß sie @inez737) ihre einschlägigen Erfahrungen mit dem Federvieh. Lesen Sie selbst, was tote Tauben mit dem Erwachsenwerden zu tun haben.
Im Alter von neun Jahren war ich ja schon fast zehn und damit praktisch so gut wie erwachsen. Diese Erkenntnis wollte umgehend meinem Großvater mitgeteilt werden, der seinerseits erkannte, dass die fast erwachsene Enkelin nun endlich mal etwas von Bedeutung erleben müsse. Wenn Bedeutsamkeit gefragt ist, geben alle Großväter der Welt Antworten. Meiner auch.
Mein Großvater war einer dieser Männer, die am liebsten nur Söhne und Enkel bekommen hätten, weil man ja mit Mädchen so schrecklich wenig anfangen kann. Außerdem, und der Grund wog wahrscheinlich noch schwerer, müsste ja irgendjemand die ganzen Waffen, Geweihe, Hörner und ausgestopften Waldtiere erben. Mein Großvater war Jäger. Aber dadurch, dass ich meiner Großmutter immer in der Küche half und zeitgleich den Spagat schaffte, ihn beim Bau des Gartenhauses zu unterstützen, war ich bei weitem die männlichste aller Enkelinnen, ein Quasi-Enkel.
Eines nachts war meine Zeit gekommen. Um drei Uhr in der Früh weckte er mich, mit bedeutungsschwerer Miene. Wir brachten das Runterwürgen von Omas Hasenbroten hinter uns, die nach in Brotform gepresstem Wüstensand schmeckten. Hasenbrote sind mit einem Hauch Teewurst bestrichene Klappstullen, die zu einem schnellen Erstickungstod führen können, nimmt man nicht ausreichend Flüssigkeit dazu auf. Wir spülten Omas Hasenbrote mit lauwarmem Hagebuttentee herunter und überlebten knapp. Dann ging es los. Wir fuhren eine Stunde lang durch den anbrechenden Tag meinem ersten großen Abenteuer entgegen. Als wir am Erbsenfeld ankamen, warteten fünf Mitjäger auf uns. Dass mein Erwachsenen-Erlebnis nun etwas war, das mit frühem Aufstehen UND Omas Hasenbroten UND Jagd zu tun hatte, damit hatte ich irgendwie weniger gerechnet. Aber ich war damals nicht sonderlich wählerisch.
Es war noch ziemlich dunkel, als wir Zäune vor einem Busch aufstellten und mit einem Tarnnetz bespannten. Das war unsere Deckung, die wichtig war; denn Wildtauben sind scheu und fliegen kein Ziel an, in dessen Nähe sechs Jäger, ein Hund und ein in allernächster Bälde erwachsenes Mädchen stehen. Beim Aufstellen des Zaunes stellte ich mich wohl ziemlich dämlich an und wurde deswegen damit beauftragt, die Flinten aus den Autos zu holen und zu den Schützen zu bringen. Man waidmannsheilte und waidmannsdankte sich - ein Gruß den ich schon oft gehört hatte und endlich mal mitreden konnte. „Waidmannsheil“, sagte ich zu den Jägern und fand, dass ich schon ganz dazugehörte. Zu den Jägern, oder wenigstens zu den Erwachsenen. Die Jagd begann. Das heißt: Zunächst warteten wir. Und warteten. Danach warteten wir dann etwas. Und warteten. Übers Warten schlief ich ein. Ich wachte von Gewehrschüssen auf und erhielt noch im Aufwachen den Befehl, Patronen nachzureichen und mich um Großvaters Liebling zu kümmern, die latent inkontinente Hündin.
Ilka war der wohl am wenigsten zur Jagd geeignete Jagdhund aller Zeiten, ein dämlicher Münsterländer, der bei jedem Schuss jaulte und sich hinter mir versteckte. Ilka hatte viel zu viel Angst, ins Feld zu rennen und die von Schüssen durchsiebten Wildtauben zu apportieren, wie es eigentlich von ihr erwartet wurde. Als die Sonne aufging, ahnte ich, was Erwachsenwerden bedeutet: in Deckung gehen, Warten und auf Befehl das tun, was man auf keinen Fall tun will. Und zu wissen, dass Tauben auch dann noch zucken, wenn sie lange tot sind.
Von einer, die auszog, das Lesen zu lernen
Am 13.8. wird sie zum ersten Mal vor einem Publikum lesen: die so seltsame wie bezaubernde @judetta. Aufgeregt ist sie natürlich schon heute. Lesen Sie selbst:
Ich bin ja selbst schuld. Ich habe es doch nicht anders gewollt. Es musste wohl so kommen.
Wobei, eigentlich wäre mir diese Idee alleine nicht einmal im Traum eingefallen und wenn ich mich ein bisschen bemühe, könnte ich die Schuld sicher auch meinen Eltern oder den Lehrern zuschieben. Hätten die mich nämlich besser (oder anders) erzogen, hätte ich heute kein Problem damit, nein zu sagen. Ich würde einfach jegliche Bitten abschmettern und fröhlich, aber einsam vor mich hin darben. Aber nein, dem ist nicht so, ich kann es einfach nicht, dieses „nein sagen“. Schlimmer noch, sobald jemand eine Frage stellt oder um Hilfe bittet, schlägt meine bisher sorgsam verheimlichte Hilfsbereitschaft Alarm, mein Arm schnellt von ganz allein in die Höhe, meine Hand schnipst, ich springe stuhlumwerfend auf und noch ehe ich begreife, was ich da schon wieder tue, höre ich mich sagen: „Hier, ich mach das. Klar, kein Problem, gerne.“ Auf diese Art und Weise bin ich schon zu den aufregendsten Abenteuern gekommen: Nachbars Katze hüten, Gärten umgraben, nächtliche Abholfahrten betrunkener Mitmenschen am Freitagabend, wenn ausnahmslos alle anderen Freunde auf der Party des Jahrhunderts sind, Kassentätigkeiten an Abenden, an denen man gerade erst aus dem Urlaub gekommen und zudem noch erkältet und verkopfschmerzt ist oder eben, wie jetzt, eine Lesung auf einer ganz echten Bühne vor ganz echten Menschen in Kiel.
Dummerweise gehöre ich auch zu den Menschen, die halten, was sie versprechen. Also werde ich mir keine fadenscheinigen Ausreden einfallen lassen, sondern, und das, obwohl ich wirklich so ziemlich jeden mir bekannten Hund gefragt habe, ob er nicht doch meine Texte essen möchte, in Kiel auf einer Bühne stehen und versuchen, die Menschen mit meiner Anwesenheit zu amüsieren – ob sie dann wegen mir oder über mich lachen, sei erstmal dahingestellt.
Grund dazu wird es vermutlich genug geben – ich kenn mich ja. Zum Beispiel wäre da meine ausgeprägte Fähigkeit, mich kurz vor jeglicher zwischenmenschlicher Begegnung zu bekleckern – nicht mit Ruhm, sondern bevorzugt mit heißen Getränken, die nicht nur hübsche Flecken, sondern auch Brandwunden verursachen oder mit besonders farbenfrohen Lebensmitteln, die sich gut von meiner Kleidung abheben.
Aber nehmen wir mal an, ich verschone mich auf wundersame Weise, etwa durch Nahrungsaufnahmeverweigerung, davon und schaffe es tatsächlich, fleckenlos die Bühne zu betreten. Spätestens beim zweiten Schritt wird sich mein linker Fuß im Mikrokabel verheddern, was mich zum Stolpern bringt. Halt suchend greife ich nach allem, was sich anbietet – als erstes nach der Bierflasche, die da neben dem Laptop steht. Genaugenommen stand, denn sie hält mich natürlich nicht, sondern kippt um und ergießt sich über die Tastatur des Laptops, der auf dem kleinen Tischchen in der Mitte der Bühne steht. Mein Auffangversuch scheitert natürlich kläglich, denn so sehr ich mich auch bemühe, das Tischchen zu erreichen – ich komm nicht ran. Weil nämlich mein Fuß immer noch im Kabel hängt, welches leider nicht lang genug ist, mich den Tisch erreichen zu lassen, aber meinem Gezerre auch nur bedingt standhält und letztendlich nachgibt. Und ich, nicht vorbereitet auf das plötzliche Nachgeben, falle. Und zwar samt jeglicher Technik, die sich entweder, durch ein Kabel verbunden, bereits an meinem Fuß befindet oder um mich herum aufgestellt war.
Sollte ich diesen Selbstanschlag (inklusive aus Wänden gerissenen Stromkabeln auf biergetränktem Boden) überraschend doch ohne Kurzschluss und Stromschlag überlebt haben, finde ich sicherlich noch eine weitere Möglichkeit, mich bis auf die Knochen zu blamieren. Den Text vergessen? Höchstens die Ausdrucke, aber weil ich sowas ja im Vorfeld befürchtet hatte, habe ich vorsorglich alle Texte per Mail nochmal an mich selbst geschickt und könnte sie in diesem Fall auch vom Bildschirm ablesen, wenn ich nicht durch meine versehentliche Enttechnisierung der Bühne jegliche Möglichkeit auf Internetzugang zerstört habe. Viel wahrscheinlicher ist, dass mein Lese- und Sprachzentrum vor lauter Aufregung einfach komplett blockieren und ich kein einziges Wort über meine Lippen bringe. Da steh ich nun, hochroten Kopfes, und abgesehen davon, dass sich mein Mund öffnet und schließt wie bei einem gejagten Karpfen und meine Augen rollen, als würden sie jedem Schnellschleudergang der Waschmaschine den Rang ablaufen wollen, passiert … nichts.
Aber keine Sorge, wenn dem wirklich so ist, werde ich zusehen, dass ich mich schnellstmöglich und ohne weitere Vorkommnisse von der Bühne entferne, sobald ich mit meinem Körper alle faulen Eier und überreifen Tomaten abgefangen habe, die nach mir geworfen werden.
Also: Packt eure Freunde ein, genügend Tomaten, Eier und Schuhe mit Gummisohlen, welche vor Stromschlägen schützen, und kommt alle, das wird ein Spaß!
Übrigens: wenn dies so eintritt und wirklich gar nichts mehr geht, werde ich während der Lebensmittelwurfminuten eine Squaredance Performance zum Besten geben, die ich extra für diesen Fall und dank Youtube noch schnell einstudiert habe.
Mehr über die Veranstaltung in Kiel: Auf Facebook.
Der nächste Jour Fitz in Berlin: am 20.8. im 4010 in Mitte.

Jour Fitz Berlin am 20.8.
20.8. im 4010 in Alte Schönhauser Str. 31, 10119 Berlin. Frédéric Valin (@freval), Tobias Schramm (@schlenzalot), Matthias Sachau (@matthiassachau) und Jan-Uwe Fitz (@vergraemer) lesen Texte rund um das Leder und gucken mit den Zuschauern anschließend das Bundesliga-Eröffnungsspiel Bayern München gegen den VFL Wolfsburg. Eintritt frei. Und: Getränke frei. Beginn: 19 Uhr.
Pro Spatz in der Hand
Die entzückende @Judetta liebt eigentlich alles und jeden. Nur mit Tauben hat sie so ihre Probleme. Als Gastautor berichtet sie exklusiv, warum. Mehr von Judetta: Am Freitag, 13. August auf dem Jour Fitz Ostsee in Kiel.
Neulich wurde ich gefragt, was ich denn eigentlich vom Tauben vergrämen halte. Oder aus welchem Grund man diesen reizenden kleinen Geschöpfen – den Ratten der Lüfte – kein Federchen krümmen dürfte. Das ist gar nicht so einfach zu beantworten, was aber noch viel schlimmer ist: Auf einmal sah ich mich gezwungen, über diese Vogelgattung auch noch nachzudenken!
Dabei fiel mir zunächst auf, dass grundsätzlich nicht alle Tauben in eine Schublade passen, sondern man ganz klar differenzieren muss. Tauben sind mitunter nämlich recht schlau und bisweilen sogar nützlich. Zum Beispiel kann man sie in Körben an einen beliebigen Ort transportieren, dort freilassen, und nach zwei bis drei Orientierungsrunden über den Startplatz finden sie ohne großes Federlesen den Weg nach Hause. Außerdem kann man sie als Überbringer kleinerer Nachrichten benutzen, und sie eignen sich auch hervorragend zum Aussortieren von guten und schlechten Linsen sowie auf dem Teller an Rotkohl und Klößen. Dennoch gibt es einige Exemplare, denen die Gehässigkeit deutlich ins Gefieder geschrieben ist, und deren Vergrämung meines Erachtens diskutiert werden sollte.
Zum Beispiel gibt es da die „schockschwere Not“-Taube. Dieses Flugmonster zieht es vor, gerade dann aus dem Gebüsch gerannt zu kommen, wenn man nichtsahnend mit seinem Rad nach einem langen Arbeitstag auf dem Weg nach Hause ist. Noch während man überlegt, was man denn eigentlich mit diesem angebrochenen Abend wohl anfangen kann, bekommt das Wort „angebrochen“ ein anderes Subjekt zugewiesen: die eigene Nase. Diese holt man sich nämlich, wenn das hintertückische Taubentier Anlauf nehmend beschließt, unmittelbar vor dem Rad einen beeindruckenden Senkrechtstart vorzuführen. Eine Vollbremsung und ein im Gulli hängenbleibendes Vorderrad später steigt man unsanft über den Fahrradlenker ab und weiß spätestens jetzt ganz sicher, dass diese Taubensorte von bösem Wesen ist.
Dann gibt es da die „Oh Gott, bitte lass es nur Wasser gewesen sein“-Taube. Schlimm genug, dass man sich an manchen Tagen in ein Kostümchen quetschen muss. Unbequeme und viel zu hohe Schuhe an den Füßen habend versucht man, wenigstens einigermaßen grazil den Wust an Laptop- und Handtaschen in der einen, einen Becher sehr heißen Kaffee in anderen Hand balancierend, seinen Weg über ohnehin schon fußfeindliches Kopfsteinpflaster zu meistern, als plötzlich ein großer Klecks auf der rechten Schulter landet. Vor Schreck schüttet man sich, stolpernd, den heißen Kaffee über die Beine. Und während man noch hofft, dass es nur Wasser ist, was da auf einem gelandet ist, entdeckt man die weiß-bräunliche, flüssige Substanz, die sich so wunderbar von dem feinen Anzugstoff abzeichnet. Schade, dass man eh schon viel zu spät dran ist und ein Umziehen nicht mehr infrage kommt. Bleibt nur der müßige Versuch, die Taubenexkremente halbwegs mit Wasser entfernen zu können oder die Hoffnung, dass es warm genug sein wird, den Tag einfach ohne Jackett zu überstehen.
Ein weiteres vergrämungswürdiges Wesen ist die „Der frühe Vogel macht Radau“-Taube. Diese nistet besonders gern in Hinterhöfen oder kleinen Nischen im Gemäuer. Sie gibt den ganzen Tag keinen Laut von sich – solange man wach ist. Kann man jedoch ausschlafen, ist dieses nette kleine Tierchen unaufhörlich darum bemüht, einem auch diese letzte kleine Freude noch zu verderben. Wahlweise im eigenen Nest oder im Baum genau vor dem Fenster sitzend gurrt sie, was das Zeug hält, um weitere singfreudige Vogelkollegen anzulocken. Wenn dann die ersten eintreffen, geht das Geflatter los und die Taubenschar hüpft munter und weiterhin lautstark gurrend von einem Ast auf den anderen, vergnügt mit den Flügeln schlagend, bis auch die letzten Blätter im Baum rascheln. Umso erstaunlicher ist es, dass besagtes Federvieh abrupt verstummt, sobald man sich dazu durchgerungen hat, das Bett endgültig zu verlassen.
In meinen Augen ebenfalls überflüssig sind die „Haste ma ’n Brotkrumen“-Tauben. In Städten, besonders auf großen Plätzen, treten sie nur in Rudeln auf. Sie warten, bis man sich auf einer Bank niedergelassen hat, um eine kleine Zwischenmahlzeit zu sich zu nehmen, und kommen dann kopfnickend und in Angriffsformation auf einen zumarschiert, um sich in infanteristischer Präzision um die Bank zu positionieren und sich auf die Lauer zu legen. Begeht man dann den Fehler, durch eine kleine Unachtsamkeit versehentlich ein paar Krümel fallenzulassen, wandelt sich der bislang noch ruhige Pausenort in einen beachtlichen Kriegsschauplatz, wo Taube 1 versucht, Taube 2 das Auge aus- und das fallengelassene Krümelchen aufzuhacken. Noch während die Tauben 3 bis 7 hektisch flatternd im Sturzflug den Landevorgang auf den eigenen Schultern einleiten, wirft man idealerweise alles Essbare weit von sich und tritt schleunigst die Flucht an, um den Ort des Geschehens zwar immer noch hungrig, dafür aber halbwegs unversehrt zu verlassen.
Was ich also davon halte? Also, wenn ich überlege, auf welchen der genannten Punkte ich am ehesten verzichten könnte, dann entscheide ich mich für: alle. Ich muss nämlich gar keine Linsen sortieren, und die gebratene Taubenkeule gehört nicht unbedingt zu meinen Leibgerichten. Dazu kommt, dass im Zeitalter der schnellen Medien und Informationen Tauben wohl auch nicht mehr so richtig sinnvoll eingesetzt werden können, es sei denn, sie sind auch in der Lage, USB-Sticks zu transportieren. Wenn ich also nicht nur auf die weniger schönen Punkte, (was ich wohl an dieser Stelle nicht noch gesondert ausführen muss,) sondern auch auf die „guten“ Eigenschaften dieser Gattung Federvieh getrost verzichten kann, dann wird mein Standpunkt zu diesem Thema wohl recht deutlich. Und wenn ich jemals einen echten Taubenvergrämer treffe, dann lasse ich ihn das auch wissen.